Lkw-Parkplatznot in Deutschland: Zahlen, Fakten und Entwicklungen 2025/2026
ACE- und ADAC-Erhebungen, eine EU-weite Studie und der Ausbauplan des Bundes im Überblick — inklusive Einordnung, welche Zahlen aktuell wirklich belastbar sind.
Eine eigenständige, neue bundesweite Studie speziell für 2026 gibt es bislang nicht. Die letzte offizielle Vollerhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stammt von 2023. Aktuellere Erkenntnisse liefern punktuelle Stichproben von ACE (Juni 2025) und ADAC (Nov./Dez. 2025) sowie eine EU-weite ESPORG-Studie (2025).
- ~20.000 Lkw-Stellplätze fehlen laut ADAC bundesweit (Erhebung nicht repräsentativ, eigene Angabe).
- 51 % durchschnittliche Überbelegung an 132 geprüften Rastanlagen laut ACE (Juni 2025); an 76 % der Anlagen wurden verkehrsgefährdende Parksituationen dokumentiert.
- ~390.000 fehlende sichere Lkw-Stellplätze EU-weit laut ESPORG-Studie für die Europäische Kommission.
- Für 2026/2027 plant der Bund rund 1.500 neue Stellplätze durch den Ausbau von über 40 Rastanlagen; ein digitaler Belegungsdienst (SID) soll bis Mitte 2026 alle rund 1.900 Rastanlagen abdecken.
- Eine ältere Prognose von KRAVAG/BGL (2023) hatte bereits rund 40.000 fehlende Plätze pro Nacht vorausgesagt — diese Zahl ist keine aktuelle 2025/2026-Erhebung.
1. Ausgangslage
Die Lkw-Parkplatznot an deutschen Autobahnen ist seit Jahren dokumentiert. Ein häufig zitierter Ausgangspunkt ist ein gemeinsames Whitepaper von KRAVAG Truck Parking, dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und der Universität Duisburg-Essen aus dem Jahr 20231. Es prognostizierte rund 40.000 fehlende Lkw-Parkplätze pro Nacht bis 2023 — eine ältere Prognose, keine aktuelle Zahl. Parallel dazu erhebt die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) turnusmäßig den bundesweiten Stellplatzbestand, zuletzt 2023, nach vorherigen Wellen 2008, 2013 und 2018. Eine neue bundesweite BASt-Vollerhebung speziell für 2026 war zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht auffindbar. Stattdessen haben ADAC und ACE 2025 eigene, methodisch jüngere Stichproben-Erhebungen veröffentlicht.
Hinweis: Vereinzelt kursieren auch höhere Schätzungen von bis zu 40.000 fehlenden Stellplätzen (u. a. mit Verweis auf das Bundesverkehrsministerium zitiert). Diese Zahl deckt sich mit der älteren KRAVAG/BGL-Prognose von 2023 und lässt sich nicht eindeutig als aktuelle 2025/2026-Erhebung verifizieren.
2. Aktuelle Erhebungen 2025/2026
2.1 ACE-Erhebung (Juni 2025)
Der Auto Club Europa (ACE) untersuchte 132 Autobahn-Rastanlagen bundesweit, jeweils werktags nach 20:30 Uhr. Erfasst wurden 5.088 ausgewiesene Lkw-Stellplätze; tatsächlich parkten dort 7.664 Lastwagen. Das entspricht einer durchschnittlichen Auslastung von rund 151 % bzw. einer Überbelegung von rund 51 % (2.576 Lkw über der ausgewiesenen Kapazität).2
- An 76 % der Rastanlagen (100 von 132) wurden verkehrsgefährdende Parksituationen dokumentiert, etwa in Ein-/Ausfahrten oder auf dem Standstreifen.
- An nur 16 % der Standorte gab es noch freie Lkw-Stellplätze.
- Extrembeispiel: Rastplatz Brönninghausen bei Bielefeld — 35 Lkw statt regulär 8 Plätzen (438 % Auslastung).
- 526 Lkw blockierten Pkw-Stellplätze; an 22 Anlagen (17 %) war für Pkw kein sicheres Parken mehr möglich.
- Besonders betroffene Achsen laut ACE: A3 in Bayern, A5 zwischen Frankfurt und Karlsruhe sowie die Räume Berlin und Frankfurt am Main.
2.2 ADAC-Analyse (November/Dezember 2025)
Der ADAC untersuchte bundesweit 100 Rastanlagen und unbewirtschaftete Rastplätze, mit regionalen Schwerpunkten unter anderem in Nordrhein-Westfalen (21 Anlagen an A1, A2, A3, A4, A45, A61) und Baden-Württemberg (12 Anlagen an A5, A6, A7, A8). Gemessen wurde zu drei Zeitpunkten (22, 23 und 0 Uhr). Der ADAC weist selbst darauf hin, dass die Erhebung nicht repräsentativ ist.3
- Bundesweit fehlen laut ADAC rund 20.000 ausgewiesene Lkw-Parkplätze.
- An knapp der Hälfte der 100 untersuchten Rastanlagen (48) standen Lkw in hochriskanten Bereichen wie Seitenstreifen oder Zufahrten; an 85 von 100 Standorten wurden Fahrzeuge im absoluten Halteverbot oder auf nicht zugelassenen Flächen gezählt.
- In NRW wurden bei 14 von 21 Anlagen (67 %) schwerwiegende Parkverstöße festgestellt, auf 19 von 21 Anlagen (90 %) generell unzulässig geparkte Fahrzeuge. Negativbeispiele: „Lichtendorf Nord“ (A1) mit im Schnitt 8 gleichzeitigen Verstößen im Ein-/Ausfahrtsbereich; „Lipperland Nord“ (A2) mit bis zu 44 gleichzeitigen Verstößen.
- In Baden-Württemberg stach die Rastanlage „Ellwanger Berge West“ (A7) negativ hervor: 31 Lkw standen außerhalb markierter Flächen; auch „Sindelfinger Wald“ (A8) verzeichnete zahlreiche Verstöße der höchsten Gefahrenkategorie.
- Der ADAC verweist zusätzlich auf einen verschärfenden Effekt: Der Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-Lkw nimmt an manchen Standorten zusätzliche Stellflächen in Anspruch.
2.3 EU-weite Studie (ESPORG / Europäische Kommission, 2025)
Die European Secure Parking Organisation (ESPORG) erstellte im Auftrag der EU-Kommission eine Studie zur Lkw-Parkplatzsituation in der EU und stellte sie im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments vor.4
- EU-weit fehlen demnach rund 390.000 sichere Lkw-Stellplätze.
- Der Mangel wird als Sicherheitsrisiko für Fahrer und als Faktor für Frachtdiebstahl eingestuft.
2.4 Bestandszahlen der BASt / Autobahn GmbH
Nach Angaben der Autobahn GmbH stehen auf bewirtschafteten Anlagen aktuell rund 29.200 Lkw-Stellplätze zur Verfügung, hinzu kommen rund 32.100 Stellplätze auf unbewirtschafteten Rastanlagen — Werte, die auf der letzten turnusmäßigen BASt-Erhebung von 2023 basieren.5
3. Politische Maßnahmen mit Bezug auf 2026
3.1 5-Punkte-Plan des Bundesverkehrsministeriums (BMV)
- Für 2026 und 2027 sind rund 1.500 neue Lkw-Stellplätze durch den Ausbau von über 40 Rastanlagen geplant.
- Telematische Parkverfahren (Kapazitätssteigerung um bis zu 50 %) sowie Rückwärtseinparken zur besseren Flächennutzung.
- Förderprogramm für private Investitionen an Autobahnanschlussstellen (seit 2021, Volumen 110 Mio. Euro) — darüber wurden bereits über 2.200 zusätzliche private Stellplätze bewilligt, mehr als 1.100 realisiert.
- Jährlich rund 100 Millionen Euro im Bundeshaushalt für Neu-, Um- und Ausbau von Rastanlagen; Ziel bis Ende 2030 sind rund 170 Rastanlagenprojekte in Bau oder Planung.
3.2 Digitaler Stellplatzinformationsdienst (SID)
- Seit Juli 2025 werden Daten von rund 1.000 Raststätten in die „Mobilithek“ des Bundes eingespeist.
- Bis Mitte 2026 soll der Dienst alle rund 1.900 bundeseigenen Rastanlagen abdecken.
- 2026 soll zusätzlich die schrittweise Einbindung von Belegungsdaten privater Parkraumanbieter (z. B. Autohöfe) beginnen.
3.3 Kritische Einordnung
Verbände wie ADAC und ACE begrüßen die Digitalisierungsinitiative, weisen aber darauf hin, dass ein Informationsdienst allein das Grundproblem nicht löst: Sind auf einer Strecke bereits alle Rastanlagen überfüllt, zeigt eine Echtzeit-Anzeige lediglich, dass nirgends Platz ist. Der eigentliche Engpass bleibt der Ausbau zusätzlicher Kapazitäten — insbesondere in Ballungsräumen, wo Flächenverfügbarkeit und Widerstand aus der Bevölkerung Genehmigungsverfahren verzögern.
4. Fazit
Eine eigenständige, neue bundesweite Studie speziell für 2026 im Stil der bisherigen BASt-Vollerhebungen existiert nach aktuellem Kenntnisstand nicht. Die belastbarsten aktuellen Daten stammen aus den Stichproben von ACE (Juni 2025) und ADAC (Nov./Dez. 2025, laut eigener Aussage nicht repräsentativ) sowie der EU-weiten ESPORG-Studie. Alle drei zeigen unabhängig voneinander ein strukturelles Problem mit teils extremen lokalen Überbelegungen von über 400 Prozent. Für 2026/2027 sind konkrete Ausbauprojekte und ein flächendeckender digitaler Belegungsdienst angekündigt — deren Wirkung sich erst in künftigen Erhebungen zeigen wird.
5. Quellen
- KRAVAG / BGL / Universität Duisburg-Essen — Whitepaper Lkw-Parkplatzmangel (2023)trans.info
- ACE Auto Club Europa — Analyse zu Lkw-Stellplätzen (Juni 2025)verkehrsrundschau.de · logistra.de
- ADAC-Analyse zur Lkw-Parkplatzsituation (Nov./Dez. 2025)verkehrsrundschau.de · filmpost.de · schwaebische.de
- ESPORG-Studie für die Europäische Kommission (2025)verkehrsrundschau.de
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) / Autobahn GmbH — Erhebung zur Lkw-Parksituation 2023eurotransport.de · bmv.de
- Bundesministerium für Verkehr (BMV) — 5-Punkte-Plan & Stellplatzinformationsdienstbmv.de
- zipmend / VerkehrsRundschau — Zusammenfassung aktueller Entwicklungen (Juni 2026)verkehrsrundschau.de
Diese Seite ist eine Sekundäranalyse öffentlich zugänglicher Studien und Erhebungen, keine eigene Primärforschung. Stand: Juli 2026. Alle Zahlen sind Sekundärangaben; für belastbare Rückschlüsse auf einzelne Rastanlagen wird auf die Originalpublikationen verwiesen.
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